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Bild: Photo by Jessica Lewis on Unsplash

In meinem letzten Blog ging es darum, alles etwas entspannter anzugehen. Dann werdet ihr sehen, dass Homeoffice und Homeschooling viel leichter unter einen Hut zu bringen sind, als ihr denkt. Was ich in den letzten Tagen immer wieder gehört habe war, dass die Kids ja so viel auf haben. Das sie soviel „arbeiten“ müssen. Aber das ist doch nicht wirklich schlimm. Sie haben doch Zeit. Und sie müssen doch keine 4 oder 5 Stunden am Stück dran sitzen. Sie können es sich doch aufteilen. UND, seid dankbar, das es dabei so tolle Möglichkeiten gibt. Denn, kranke Kinder sind

ebenfalls schulpflichtig, aber sie zu beschulen ist weitaus schwieriger. Die ganzen Onlineplattformen stellen momentan ihre Dienste teilweise umsonst zur Verfügung. Ich habe Fabi damals angemeldet, damit wir zuhause ein bisschen was machen können und musste knapp 200 € dafür bezahlen. Man bedenke euer Thema Existenzängste, ich hatte durch die Krankheit schon über 30% Abzug vom Lohn gehabt und habe es trotzdem gemacht. Alle privaten Schulmaterialien welches ihm das Lernen erleichtern sollten, musste ich selbst bezahlen. Und keinen hat hier interessiert, dass der Staat dem Thema Schulpflicht nicht nachkommt. Das der Staat hier eigentlich zu handeln hat und nicht ich. Die Lehrer der Schule waren alle sehr motiviert und engagiert uns zu helfen, aber es war die Bürokratie, die einen hängen lässt. Das kleinere und trotzdem schwierige Übel war, dass jeder Lehrer absolut gesund sein musste. Diesen Fall hatten wir nach der Reha. Die Lehrer waren gesund und wollten Fabi beschulen. Aber es kam und kam keine Unterschrift vom Schulamt. Sie durften ohne diese Einwilligung nicht kommen, aber das Schulamt reagierte einfach nicht oder gaben keine Genehmigung. Die Lehrer waren teilweise komplett ausgelastet mit den Unterrichtsstunden, zum Beispiel weil sie Kollegen vertreten mussten. Sie durften keine Mehrstunden machen, auch nicht ein oder zweimal die Woche für solch einen Ausnahmefall. Sie erklärten sich ja selbst bereit, nach dem normalen Unterricht oder vormittags in Freistunden bei uns vorbei zu kommen. Man bekam nur gesagt, es gäbe keine Möglichkeit Lehrer zu stellen. Ein Lehrer hätte Fabi gerne per Videochat sozusagen ins Klassenzimmer geholt. Aber auch hier, die Schule war einfach technisch nicht ausgestattet, um ausreichendes W-Lan zur Verfügung zu stellen. Zur Erinnerung, wir reden hier nicht von vor 10 Jahren, sondern von etwas mehr als 2 Jahren. Deshalb, seid doch froh, dass die Kids so tolle Möglichkeiten bekommen. Auch während der Krankheit war es alles andere als leicht, sondern eher sehr umständlich für die Kliniklehrerinnen. Die Kliniklehrerinnen selbst sind super. Allesamt total herzlich und lieb. Jede total motiviert und motivierend. Immer flexibel. Ich glaube, es ist nicht einfach und man muss eine spezielle „Art“ Mensch sein, um kranke Kinder zu unterrichten. Dies ist schließlich überhaupt nicht mit normalem Unterricht zu vergleichen. Mit diesem ganzen Leid muss man erst mal klar kommen. Der andere Grund, warum Unterricht zu Hause schwer umsetzbar war, war die Tatsache, dass wir ja nie wussten, wann wir wirklich zu Hause sind. Es gibt einen groben Unterrichtsplan im Klinikum, aber dieser kann sich jeden Tag ändern. Die Kinder kommen schließlich oft kurzfristig, auch geplant, aber eher immer kurzfristig. Man weiß nie, werden sie heute, morgen oder in drei Tagen entlassen. Wenn wir in der Ambulanz waren, hatten wir meistens den Schulranzen im Auto, falls gerade eine Lehrerin Zeit hatte. Bis die Ergebnisse da waren, konnte schließlich oft bis zu einer Stunde vergehen. Eine Stunde, die man einfach sinnlos wartend in der Ambulanz verbrachte. Dort lernt man die Leichtigkeit, die jetzt gerade notwendig ist. Da bot es sich an, eine halbe Stunde, Stunde für Unterricht zu nutzen. Manchmal dachte man auch, heute würde man wieder stationär aufgenommen werden, teilte es den Lehrerinnen mit und dann musste man doch wieder gehen, weil gerade kein Bett frei war oder die Blutwerte nicht stimmten. Und immer im Schlepptau der schwere Ranzen mit allen Arbeitsmaterialien. Er musste auch alle Arbeiten schreiben. Die Lehrerinnen bekamen die Originalarbeit zugeschickt, dann schrieben sie diese mit ihm, bzw, betreuten ihn eben dabei und danach schickten sie es per Mail und im Original der Schule zurück. Die eigentliche Klassenlehrerin kontrollierte diese dann und irgendwann bekam er seine Arbeit dann zusammen mit dem Unterrichtsmaterial für die kommenden Tage zurück. Es wäre soviel einfacher für alle gewesen, wenn er einfach online diese Arbeit hätte schreiben können. Meistens gab es Wochenpläne, aber manchmal kam auch nichts und die Lehrerinnen hatten dann meistens nach eigenem Ermessen Unterricht zusammen gestellt, aber sicher konnte man sich natürlich nicht sein. Ihr seht also, es ist eine Chance zum umdenken. Vielleicht kann auf lange Zeit vieles verbessert werden und nun geschaffene Möglichkeiten als Chance weiter genutzt werden. Vielleicht kann man zukünftig die Kliniken mit Tabletts ausstatten. Ich weiß, dass ein oder andere Mal hatten sie eine Art Abfrage am Tablett mit ihm gemacht. Vielleicht kann die Zusammenarbeit so zwischen Kliniken und Schulen erleichtert werden. Wir sollten es als Chance sehen. Wir haben jetzt die Möglichkeit auszuprobieren was geht. Wir können unseren Kinder die Chance geben, sich selbst zu entfalten, sich zu organisieren lernen. Sich selbst einzuteilen. An ihren Möglichkeiten zu wachsen. Sie verlieren immer mehr ihre Eigenständigkeit, da die Erwachsenen meistens die Termine ausmachen und die Tage verplanen. Jetzt können sich eure Kinder beweisen. Sie können euch zeigen, dass sie auch selbstständig sein können. Vertraut ihnen. Und wenn sie heute mal nicht so wollen, morgen ist bestimmt wieder ein besserer Tag. Auch unsere Kinder können mal einen Koller bekommen. Für sie ist schließlich auch alles neu und fremd. Was wenn es wirklich nicht klappt? Das ist eine gute Frage, ich bin keine Pädagogin, ich habe keine Ahnung. Ich weiß, dass meine Kinder an jeder Herausforderung gewachsen sind und mir das immer wieder gerne beweisen. Und wenn es gar nicht geht, Marcel nennt es Erpressung ich nenne es Konsequenz....grins...aber dann muss man eben auch konsequent bleiben. Ich sage meinem Kind immer „du musst dich beweisen, du musst deinen Weg gehen, ganz alleine für dich. Ich habe das alles schon hinter mir. Ich habe meine eigenen Fünfer geschrieben. Ich habe aber auch eine Lehre gemacht und bin jetzt seit über 20 Jahren im Berufsleben“. Vielleicht sollte man sich auch mal daran erinnern, dass wir selbst die Schule nicht toll fanden und es dennoch eigentlich alle zu was gebracht haben. Die Wege sind ganz unterschiedlich. Manche hatten gleich ihre Berufung gefunden, andere über Umwege. Und irgendwie gab es noch nie soviel Chancen und Möglichkeiten wie heute. Also, seid entspannt, seht es als Chance für euch, für eure Kinder, für die Zukunft. Wer weiß wo es uns noch hinbringen kann wenn jetzt endlich jeder ein wenig umdenkt. Macht das Beste draus, ihr könnt es eh nicht ändern. Aber seid wirklich einfach dankbar darüber was eure Kinder gerade für eine Chance bekommen, denn es gibt Kinder, die hätten diese Chance gerne gehabt.
In diesem Sinne, STAY HOME und bleibt gesund.

Weiterhin dürft ihr mir gerne schreiben – Ich freue mich darauf.
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Autor: Anita

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